Empowerment für junge Frauen

Das Gleichstellungsteam der Hochschule Offenburg, das das Projekt „Mentoring Future“ konzipiert hat (von links): die Projektleiterin des Mentoringprogramms Daniela Bartelt, die Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Professorin Andrea Müller, die Projektleiterin von MINT4Girls Linda Kunath-Ünver, die Projektleiterin des Professorinnenprogramms Christine Parsdorfer und die Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät Medien und Informationswesen Professorin Sabine Burg des Sousa Ferreira. //Foto: Hochschule

Eigentlich sollten sich Mentorinnen und Mentees locker und in inspirierender Umgebung kennenlernen. Coronabedingt musste das gemeinsame Treffen aber ausfallen und eine Videokonferenz das persönliche Gespräch ersetzen. Zehn Studentinnen trafen sich am 29. April daher zum virtuellen Austausch mit der Unternehmerin Brigitta Schrempp, die die Kickoff-Veranstaltung mit einem kurzen Input zu ihrem beruflichen Werdegang einleitete. Schon 1980 gründete die Geschäftsführende Gesellschafterin von schrempp edv mit ihrem Mann das Unternehmen, in dem inzwischen 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Erst relativ spät aber hat sie „richtig Gas gegeben“. Mit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2012 übernahm sich nicht nur die Unternehmensleitung, sie ist inzwischen auch Gemeinderätin und IHK-Vizepräsidentin. Außerdem sitzt sie im Kuratorium und Hochschulrat der Hochschule Offenburg sowie im Aufsichtsrat der Volksbank Lahr. Ihr Rat an die Studentinnen für den Berufseinstieg: „Traut euch etwas. Frauen stellen ihr Licht oft unter den Scheffel und bleiben in der zweiten Reihe stehen. Sie müssen vortreten und wenn sie wissen, was sie wollen, und das mit Freude und Leidenschaft vertreten, dann kommen sie auch an ihr Ziel.“

Die anschließende Diskussion führte von Frauenquoten (die Schrempp ablehnt, weil sie wegen ihrer Fachlichkeit und Kompetenz in einem Gremium sitzen möchte) zu der besonders sorgfältigen Arbeitsweise von Frauen („Ich sehe einem Programm an, ob eine Frau im Team mitgearbeitet hat oder nicht.“) bis hin zu den Erfahrungen in einer männlich geprägten Berufswelt. Hier waren sich alle versammelten Mentorinnen, Führungsfrauen und Studentinnen einig: Auch heute noch wird Frauen weniger zugetraut als Männern, und sie müssen viel mehr leisten, um ernst genommen zu werden. „Können Sie das als Frau?“ hat auch die heutige Frauengeneration schon gehört und auch Fragen nach einer baldigen Familiengründung stehen bei Vorstellungsgesprächen immer noch auf der Tagesordnung.

Unterstützung beim Berufseinstieg

Das einjährige Mentoring-Programm der Hochschule will diese Fallstricke beim Einstieg in den Beruf deutlich machen und helfen, sie aus dem Weg zu räumen. Es setzt sich aus zwei Phasen zusammen: Im ersten Semester finden vier Veranstaltungen mit Führungsfrauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen statt, die über ihre Karrierewege berichten und zeigen, vor welchen Herausforderungen Frauen auch heute noch stehen. Hochkarätig besetzt ist die erste Veranstaltungsrunde: Nach der Auftaktveranstaltung mit Brigitta Schrempp haben für die folgenden Termine die ehemalige Offenburger Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, Hochschulprofessorin Eva Decker und Dr. Katharina Hermann, Personaldirektorin bei Hubert Burda Media, zugesagt.

„Wir freuen uns sehr, dass wir für unser Programm gleich so renommierte Frauen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gewinnen konnten“, erklärt Professorin Andrea Müller, die seit dem 1. März die Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule Offenburg ist. „Es ist für junge Frauen wichtig zu sehen, dass Frauen es auch an die Spitze von Unternehmen und Parteien schaffen können. Mit dem Mentoring-Programm wollen wir den Studentinnen die Möglichkeit eröffnen, sich mit den Spitzenfrauen über ihren Werdegang und ihren Berufsalltag auszutauschen und ihre eigene berufliche Perspektive zu entwickeln.“

Dabei unterstützen sollen persönliche Treffen zwischen Mentorinnen und Mentees, die sich auf der ersten Veranstaltung kennenlernen können. In den folgenden Monaten haben die Studentinnen dann Gelegenheit, Einblicke in die Arbeit „ihrer“ Mentorin zu bekommen, sie an ihrem Arbeitsplatz zu besuchen – hoffentlich bald nicht mehr nur virtuell.

Im zweiten Teil des Programms, das im kommenden Wintersemester startet, stehen die individuellen Kompetenzen der Mentees im Vordergrund. Sie haben die Möglichkeit, an verschiedenen Seminaren zu Themen wie Verhandlungsführung, Kreativität oder emotionale Intelligenz teilzunehmen. Zum Abschluss erarbeiten sie einen individuellen Karriereplan, den sie in einer abschließenden Veranstaltung präsentieren.

Finanzierung mithilfe des Professorinnenprogramms

Das Mentoring-Programm kann umgesetzt werden, weil das Gleichstellungskonzept der Hochschule in einem bundesweiten Wettbewerb im Rahmen des Professorinnenprogramms erfolgreich war und für die nötigen Drittmittel sorgte. Fünf Jahre lang stellen nun der Bund und das Land Baden-Württemberg für die Gleichstellungsarbeit der Hochschule insgesamt 852 000 Euro zur Verfügung. „Diese Förderung eröffnet uns erst die Möglichkeit, Projekte für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs durchzuführen“, sagt die Professorin Sabine Burg, die in ihrer Amtszeit als Gleichstellungsbeauftragte den Antrag eingereicht hat. In den nächsten fünf Jahren sollen neben dem Mentoring-Programm auch innovative Veranstaltungen für mint-affine Mädchen entwickelt werden. „Es sollen Formate entstehen, die Mädchen in besonderer Weise ansprechen und sie in ihren technischen Interessen stärken. So können wir zu einer Studienauswahl beitragen, die nicht den typischen Klischees entspricht.“ Neben diesen Veranstaltungen und dem Mentoring unterstützt ein Förderpool (zukünftige) Doktorandinnen mit Stipendien und Überbrückungsgeldern und ermöglicht Projekte und Veranstaltungen mit Genderbezug. Und schließlich können in Zukunft auch Kinder von Studierenden an der Ferien-Kita der Hochschule teilnehmen, die bisher nur Kinder von Beschäftigten aufgenommen hat.