Austausch der Kulturen bereichert

So wie beim Kochkurs des Senior Service im vergangenen Herbst (Foto) beginnt auch der Austausch zwischen Mietenden und Vermietenden oft über die Küche.

Schon seit knapp zehn Jahren vermietet Ottilie Schirmann Wohnungen in ihrem Haus in der Offenburger Innenstadt an internationale Studierende der Hochschule Offenburg. „Meine einzige Bedingung war, dass ich nur eine Nationalität haben wollte, damit die Mitbewohner sich untereinander verstehen“, betont sie. Und so kam es, dass zwischenzeitlich bis zu fünf Inder unter ihrem Dach lebten. Momentan sind es noch zwei. Einer von beiden ist der 23-jährige Rahul Venkatesh, der allerdings im Mittleren Osten geboren wurde und dort auch aufwuchs, insbesondere Dubai and Katar. Er kam im September 2019 zum Master-Studium Communication and Media Engineering nach Offenburg.

„Ich habe immer Glück gehabt, die jungen Männer sind ganz reizend“, sagt seine Vermieterin über ihn und ihre anderen aktuellen und ehemaligen Mieter. Auch mit den deutschen Regeln beispielsweise zur Mülltrennung und zum Lüften gebe es überhaupt keine Schwierigkeiten. Probleme habe es in all den Jahren nur einmal gegeben. „Da haben sich andere Mieter im Haus beschwert, weil es spätabends noch laut war“, erinnert sich Ottilie Schirmann. „Aber da habe ich kurz Frau Michel von der Wohnraumvermittlung der Hochschule für internationale Studierende angerufen und die hat die jungen Männer angeschrieben. Danach war sofort Ruhe“, lobt die Vermieterin auch die gute Zusammenarbeit mit der Hochschule.

„Da meine Eltern einen strengen Haushalt führen, war ich an ähnliche Regeln gewöhnt. Dennoch war ich etwas überrascht als ich nach Deutschland kam, denn an den anderen Orten, an denen ich bisher gelebt habe, gab es solche Hausregeln nicht. Aber obwohl mein erster eigener Haushalt mich vor einige Probleme stellt, gebe ich mein Bestes, die Regeln zu befolgen“, sagt Rahul Venkatesh lächelnd. Aus einem hektischen, zufälligen Lebensstil kommend, habe er sich außerdem schon sehr auf den ruhigen, strukturierten deutschen Lebensstil gefreut, so der 23-Jährige weiter. „Und es hat mich zumindest sehr pünktlich gemacht“, fügt er scherzend hinzu. Zudem habe sein von der Hochschule Offenburg vermittelter Mentor ihm die Eingewöhnung erleichtert. Auch die Nachbarn hätten stets geholfen, wenn er Fragen hatte. „Und meine Vermieterin Ottilie Schirmann ist sehr freundlich und geduldig und war in der Zeit, die ich brauchte um meinen Lebensstil an den deutschen Lebensstil anzupassen, sehr hilfsbereit“, erzählt der junge Inder dankbar.

Diese Hilfsbereitschaft ist aber keineswegs einseitig, wie Ottilie Schirmann sichtlich gerührt betont: „Wenn ich mit einem schweren Sprudelkasten nach Hause komme, kommt meist sofort einer der Inder herunter und hilft mir. Und als mein im März verstorbener Mann im Krankenhaus lag, ist einer der Jungen mit seinem Fahrrad bei Regen quer durch die Stadt gefahren, um ihn zu besuchen. Viele haben sogar gesagt wir seien wie Oma und Opa für sie.“ Und so säßen die jungen Männer immer mal wieder auch bei ihr in der Wohnung und erzählten aus ihrer Heimat, von ihren Familien und ihrer Kultur. „Das ist toll und sehr bereichernd, nur ihr Essen ist leider nichts für mich, da mein Magen die Gewürze nicht verträgt“, bedauert sie.

Auch Rahul Venkatesh war schon einige Male bei seiner Vermieterin, die ihn mit ihrer kümmernden, liebevollen Art an seine Mutter erinnert. „Doch das ist in Corona-Zeiten gerade etwas schwierig. Außerdem lasse ich den Menschen gern ihren Freiraum“, sagt der 23-Jährige zum Abschluss.

Info

Wer diesen bereichernden Austausch der Kulturen ebenfalls erleben und Wohnraum für internationale Studierende zur Verfügung stellen möchte, kann sich an die Hochschule Offenburg, Claudia Michel, E-Mail claudia.michel@hs-offenburg.de, Telefon 0781/205-162, wenden.