Zonta Förderpreis für weibliche Filmschaffende

Setfoto des an der Hochschule Offenburg produzierten Kurzfilms „Grauzone“ mit (von links) Miriam Schiweck, Sabrina Hrovatin, Julia Kleine und Jonathan Rieder, Regie: Sabrina Hrovatin.

Der mit 1000 Euro dotierte Förderpreis ist für junge Frauen gedacht, die ihre berufliche Perspektive in der Filmbranche sehen. Es geht um Frauen hinter und neben der Kamera: Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Kamerafrauen, Toningenieurinnen, Editorinnen, 2D- und 3D-Artists, Produzentinnen, Kostümbildnerinnen, Setdesignerinnen, Maskenbildnerinnen, Bühnenbildnerinnen, und so weiter. Auf die erstmalige Ausschreibung des Förderpreises für junge Filmemacherinnen haben sich 24 junge Frauen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz beworben. Sie haben Arbeiten aus den Bereichen Filmkonzeption, Filmproduktion und/oder Postproduktion eingereicht. Die Jury speziell für diesen Preis bestand aus Andrea Leppert, Bettina Stoll, Bettina Freitag (alle ZONTA), der Filmemacherin Eva-Maria Kühling, der Producerin Ania Berger sowie Sabine Burg, Professorin für Drehbuch und Filmregie an der Medienfakultät der Hochschule Offenburg. Die Jurorinnen erkannten sehr viel förderwürdiges Talent unter den Einreichungen. „Ich bin beeindruckt von all den außerordentlichen Arbeiten, die wir gelesen, gesehen und lang diskutiert haben,“ erklärte Bettina Stoll vom ZONTA-Club Offenburg in der Corona-bedingten Telefonkonferenz der Jury begeistert, „ich freue mich sehr, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Preis im Rahmen der SHORTS Offenburg am Sonntagabend zu vergeben.“

An der Hochschule Offenburg gibt es zwei Studiengänge, in denen alles rund um die digitale Filmproduktion gelehrt wird. Die Studierenden arbeiten im Anschluss an ihr Bachelor-Studium in Offenburg in Werbefilm- oder Filmproduktionen, im Marketing, im Social Media-Bereich und in der Postproduktion. Viele gehen auch für ein aufbauendes Masterstudium in die Medienmetropolen Berlin, München, Hamburg und Köln oder sogar nach England, Frankreich oder in die USA. Und der Nachwuchs ist gefragt: Netflix und Co haben die Quantität und Qualität der Produktionen in Deutschland erhöht, es herrscht Fachkräftemangel in der Branche.

Dennoch macht es Sinn, junge Frauen, die innerhalb ihres Studiums hervorragende Leistungen gezeigt haben, mit einem Preisgeld gesondert hervorzuheben, zu würdigen und damit zu motivieren, sich nicht entmutigen zu lassen. Denn es gibt eine statistisch belegte Ungleichbehandlungen von Männern und Frauen in der Medienbranche in Deutschland: Die Initiative ProQuoteFilm, die vor drei Jahren initiiert wurde, veröffentlicht auf ihrer Website folgende Zahlen für den Bereich Filmproduktion: „Obwohl seit 25 Jahren 50 Prozent der Alumni von Filmhochschulen weiblich sind, gingen 2019 lediglich 14 Prozent der Projektförderung der Filmförderungsanstalt FFA an Produzentinnen. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle für die diverse Besetzung anderer Funktionen wie Drehbuch, Regie und Kamera, erzählen häufiger Frauenfiguren und gehen effizienter mit den Fördermitteln um.“ (https://mailchi.mp/proquote-film.de/corona-konjunkturpaket)

Und diese Schieflage zieht sich durch: Zehn Prozent der bundesweiten Filmförderung fließen in Projekte von Regisseurinnen. Acht Prozent der fiktionalen Produktionen von ARD und ZDF werden von Kamerafrauen gedreht. Sechs Prozent Drehbuchautorinnen beim Tatort 2018. Zwei Prozent Kamerafrauen beim Tatort 2019. Darüber hinaus weist die Initiative ProQuoteFilm, die mehr als 500 Frauen in den kreativen Schlüsselpositionen der Film- und Fernsehbranche vertritt, darauf hin, dass der Corona-Lockdown einen Backlash in Bezug auf die Gleichstellung von Männern und Frauen eingeleitet habe, der nur verhindert werden könne, wenn die Verantwortlichen jetzt Maßnahmen ergriffen.

Zonta-Club

Der Zonta-Club Offenburg gehört einem weltweiten Zusammenschluss berufstätiger Frauen an, der sich dafür einsetzt, die Lebenssituation von Frauen in rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereichen zu verbessern.