Ein Abend zwischen Wirtschaft und Hochschule

Von: cp
Sommertalk zur Digitalisierung

Ohne Digitalisierung geht heute nichts mehr. Davon ist IHK-Präsident Steffen Auer überzeugt und appellierte deshalb beim „Summerfäschd 2019“ der IHK Südlicher Oberrhein an die Vertreter der regionalen Wirtschaft, das Thema in den Firmen voranzubringen: „Fangen Sie an! Wir helfen Ihnen dabei.“ Mit dem Campus der Hochschule Offenburg hatte die IHK in diesem Jahr bewusst einen Veranstaltungsort gewählt, der als Innovationshochburg den idealen Rahmen für das Motto des Abends bot: „Digitalisierung mehr als nur technologischer Fortschritt.“   

Als am frühen Donnerstagabend die ersten von mehr als 500 Gästen auf das Campus-Gelände zogen, hatte Petrus ein Einsehen. Die Wolkendecke riss auf und strahlender Sonnenschein sorgte für die richtige „Summerfäschd“-Stimmung in gewohnt lockerer Atmosphäre, die den Netzwerkgedanken in den Mittelpunkt stellte. IHK-Präsident Auer musste keine Überzeugungsarbeit leisten, als er die Gäste aus Wirtschaft und Politik mit den Worten begrüßte: „Wir leben in der perfekten Work-Life-Balance Region.“ Trotzdem nannte er einige Fakten, die seine Aussage untermauerten, beispielweise das Beschäftigungswachstum, das seit 2010 im zweistelligen Bereich gestiegen sei. Der Glücksatlas bestätige, nur in einem Teil von Schleswig-Holstein seien die Menschen noch glücklicher als am südlichen Oberrhein. Den Grund sieht der IHK-Präsident vor allem in der spezifischen Situation in der Region: „Wir leben hier im „Ländlichen Raum“. Aber wir sind zugleich mit unseren vielen breit aufgestellten mittelständischen Unternehmen sehr wirtschaftsstark. Da gibt es Weltmarktführer auf der einen Seite und eine erfolgreiche Start-up Szene auf der anderen.“Am südlichen Oberrhein würden laut aktueller Studie mit die stärksten kommunalen Steuereinnahmen in Deutschland generiert.

Auer warnte jedoch davor, es sich auf dem Status quo bequem zu machen. Im Zukunftsatlas zum Standortranking 2019 belege man nicht die vorderen Plätze. Der Ortenaukreis liege da von 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland auf Rang 157. Man müsse daran arbeiten innovativer zu werden. Eine Untersuchung belege, dass gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg ihre Investitionen in Innovation die vergangenen Jahre heruntergefahren hätten. „Um unsere starke wirtschaftliche Position zu halten, müssen wir wieder innovativer werden,“ so Auer. Dazu gehöre unter anderem auch eine gute Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Offenburg sei ein wichtiger Partner für die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis ebenso wie für die Fachkräfteversorgung der heimischen Unternehmen. Zudem sei die Politik gefragt, die richtigen Rahmenbedingungen zu stellen bei Themen der digitalen Infrastruktur, der Mobilität und der Abschaffung bürokratischer Hürden.

Sommertalk zur Digitalisierung
Diese Forderungen unterstrichen auch die Teilnehmenden beim anschließenden, von Radiomoderatorin Janine Breuer-Kolo moderierten, Sommertalk zur Digitalisierung. Mit Auer diskutierten Hausherr und Hochschulrektor Winfried Lieber, Hansgrohe Vorstandsmitglied Frank Semling und Hotelinhaberin Melanie Hättich aus Hinterzarten. Die Hotelchefin hatte das Familienunternehmen 2017 übernommen und kräftig investiert, sowohl in die Einrichtung wie auch in die Digitalisierung der Betriebsprozesse. Neue gesetzliche Regelungen etwa bei der Arbeitszeit oder beim Thema Datensicherheit machten die Umstellung aus ihrer Sicht zwingend notwendig: „Ohne die digitalen, technischen Hilfsmittel könnten wir – gerade als kleiner Familienbetrieb – die Anforderungen so nicht leisten.“ Hansgrohe-Manager Semling unterstrich, es sei letztendlich bei der Digitalisierung keine Frage der finanziellen Mittel, sondern der Einstellung. Man müsse die Mitarbeiter mitnehmen, Ängste - auch um den eigenen Arbeitsplatz – abbauen und die Chancen begreiflich machen. Es nütze nichts, wenn die Technik da sei, aber keine Mitarbeiter, die sie bedienten. Der Fortschritt fordere in den Unternehmen zudem ein Umdenken bei Führungsstil und Arbeitsweise. „Und es braucht Partner. Durch die Digitalisierung kann man vieles nicht mehr allein machen,“ gab Semling aus Erfahrung den Zuhörern zu bedenken.

Ein Grund warum auch die Angewandte Forschung an der Hochschule Offenburg zuletzt jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent gestiegen ist. Rektor Lieber beklagt dabei aber: „Die politischen Rahmenbedingungen, in denen wir uns bewegen müssen, stammen noch aus dem Jahr 1971. Es braucht dringend eine Deregulierung, um flexibler auf die heutigen Anforderungen reagieren zu können.“ Es sei noch nie so spannend gewesen, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten wie derzeit. Aber für ein Unternehmen reiche es nicht, zu sagen „es geht, die Idee funktioniert“. Es müsse seitens der Politik Unterstützung angeboten werden, damit die Forschung tatsächlich in die Praxis umgesetzt werde.

Hättich nannte in diesem Zusammenhang die Digitalisierungsprämie als guten Ansatz. Die Frage der Umsetzung der Digitalisierung in kleinen und mittleren Unternehmen sei für die IHK eine der drängendsten Themen, weil sie für die Zukunft der Region entscheidend sei. „Wir wollen Ihnen den Einstieg in die Digitalisierung ermöglichen. Kommen Sie auf die IHK zu, nutzen Sie unsere Angebote,“ beendete IHK-Präsident Auer den Talk mit einem Aufruf an die IHK-Mitglieder, die anschließend direkt vor Ort die Gelegenheit hatten, mit den IHK-Experten ins Gespräch zu kommen oder sich für Beratungsangebote anzumelden.

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