Auch ohne die Messdaten viel gelernt

Suche nach dem Stratosphärenballon der Hochschule Offenburg bleibt ergebnislos.

26.06.2026 · Pressemitteilung · Redaktion: jd

Eine Gruppe Menschen steht auf einem Flugfeld und lässt einen Stratosphärenballon aufsteigen

Die vergangenen Wochen waren für die Beteiligten des Studierendenprojekts „OG goes Stratosphere“ der Hochschule Offenburg in vielerlei Hinsicht ein Auf und Ab: Erst musste der geplante Stratosphärenflug ihres Ballons mehrfach verschoben werden. Später waren die Bedingungen ideal, der Ballonstart verlief reibungslos und alle Systeme arbeiteten einwandfrei. Dann brach jedoch die GPS-Übertragung plötzlich ab. Später konnten erneut Positionsdaten empfangen werden und ein wahrscheinlicher Landeort bestimmt werden. Vor Ort war aufgrund des fast urwaldartigen Bewuchses trotz intensiver Suche aber nichts zu finden. Doch der Reihe nach.

Monatelang hatte das interdisziplinäre Team aus zehn Studierenden so unterschiedlicher Studiengänge wie Maschinenbau, Umwelt- beziehungsweise Biotechnologie und Wirtschaftspsychologie um Prof. Dr. Dragos Saracsan den Stratosphärenflug vorbereitet. Buchstäblich in letzter Minute wurde im 3D-Drucker noch ein Spiegel für die Ortungsantenne angefertigt, um den Signalempfang zu verbessern. Nach nur wenig Schlaf traf sich die Gruppe am frühen Morgen des 17. Juni schließlich am Flugplatz Kehl-Sundheim. Dort befüllten sie die Ballonhülle aus Latex mit circa 5900 Liter Helium und testeten den Inhalt der Nutzlastkapsel ein letztes Mal: den Datenlogger, der GPS-Daten, Außen- und Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe, Geschwindigkeit (speed over ground) und Druck erfasst, die Kameras und die eigentlichen „Passagiere“ – Bakterien der Spezies „Bacillus spizizenii“ (DSM618, Bacillus subtilis Wildtyp), Hefezellen und Mungobohnensprossen. Untersuchungen an diesen vor und nach dem Flug sollten Aufschluss darüber geben, welche Auswirkungen die extremen, marsähnlichen Bedingungen in der Stratosphäre auf Organismen haben, um daraus Hinweise für den Bau von Raumstationen oder Transportraketen abzuleiten.

Um 8:37 war es dann soweit: Der Stratosphärenballon startete und stieg mit einer konstanten Geschwindigkeit von unter vier Metern pro Sekunde in die Höhe. Alle Mess- und Kommunikationssysteme, einschließlich GPS und die LoRa-Funkantenne sendeten stabile Signale. Etwa eine Stunde später, in rund 12.000 Meter Höhe, dann der Schreck: Das GPS-Modul übermittelte plötzlich keine Positionsdaten mehr. Da sich der Ballon aber bis dahin exakt auf der vorausberechneten Flugroute bewegt hatte und die übrigen Signale stabil waren, entschlossen sich die Teammitglieder nach einigem Abwägen gegen 10:30 Uhr, ins errechnete Zielgebiet aufzubrechen.

Und tatsächlich: Knapp drei Stunden später konnten sie dort kurzzeitig wieder GPS-Daten empfangen, was ihre Berechnungen des Flugpfads bestätigte. Der Ballon hatte sich wie geplant in großer Höhe, bei niedrigerem Luftdruck, immer weiter ausgedehnt und war irgendwann geplatzt. Die an ihm befestigte Kapsel war daraufhin an einem Fallschirm zur Erde gesunken. Der mit Hilfe der GPS-Daten ermittelte wahrscheinliche Landeort lag allerdings mitten in einem nur schwer zugänglichen Waldstück zwischen Wasenweiler und Gottenheim.

Es folgten vier Tage intensiver Suche mit mehreren Antennen, Richtmikrofonen und sogar Drohnen. Mit der Ortungsantenne konnte das Suchgebiet auf einen Radius von 50 bis 75 Meter eingegrenzt werden. Dennoch blieben die Ballonreste und die 2,5 Kilo leichte Kapsel mit den Messgeräten in dem unwegsamen Gelände unauffindbar.

„Dort stehen mehr als 30 Meter hohe Bäume dicht an dicht. Vermutlich hängen die Überreste des Ballons und die Kapsel in einem der Wipfel, sodass wir sie weder von oben noch von unten sehen können“, erklärte Prof. Dr. Dragos Saracsan, als die aktive Suche schließlich eingestellt wurde. „Aber auch wenn wir die Kapsel und Proben verloren haben, ziehe ich ein positives Fazit: Unsere Studierenden haben in der interdisziplinären Zusammenarbeit, in der detaillierten Missionsplanung sowie im Umgang mit Mess- und Kommunikationstechnik sowie 3D‑Druck wertvolle Praxiserfahrung gesammelt. Auch die mehrtägige Suche im Gelände hat ihnen wichtige Erkenntnisse gebracht – damit haben sie auch ohne Messdaten viel gelernt.“