Klimaschutz aus dem Reaktor

Wie Masterstudentin Buse Bakterien nutzt, um einen gefährlichen Klimakiller unschädlich zu machen.

20.03.2026 · Reportage

Porträt Buse Bayir

Von außen ist es nur ein Glasgefäß mit ein paar Schläuchen. Doch im Inneren des Reaktors geschieht, was die junge Ingenieurin Buse antreibt: die Umwandlung eines unsichtbaren Klimakillers. Was sie mit ihrer Forschung bewegen will und wie sie dabei Selbstvertrauen gewinnt – davon erzählt diese Reportage.

Buse lehnt sich über den kleinen Reaktor, in dem bald methanotrophe Bakterien aktiv sein sollen. Noch läuft alles im Testbetrieb. Doch für die Masterandin aus dem Studiengang Process Engineering ist dieser Glaszylinder mehr als ein Versuchsaufbau. Es ist ihr Beitrag zu einer saubereren Welt. „Ich will etwas hinterlassen, das wirklich hilft“, sagt sie.

 

Winter ohne Schnee

Buses Weg zum Thema begann auf den Straßen ihrer Heimatstadt in der Türkei. Genauer gesagt: auf Straßen ohne Schnee. „Ich habe 2 Winter hintereinander keinen Schnee gesehen. Das hat mich nachdenklich gemacht.“

Sie begann zu lesen – über den Klimawandel und Treibhausgase. Dabei stieß sie auf Methan. Ein Gas, das bei Zersetzungsprozessen entsteht und dessen Wirkung auf das Klima 28-mal stärker ist als die von CO₂. Und so sagte sie sich: „Ich bin doch Ingenieurin, also kann ich etwas dagegen tun.“

 

 

„Wenn ich es nicht stoppen kann, dann will ich es zumindest entschärfen.“

Methan einfangen und entschärfen

Die Idee zu ihrer Masterarbeit war geboren. Buse will herausfinden, wie sie Methan mithilfe von Mikroorganismen entschärfen kann – indem sie es in CO₂ umwandelt. „Ich weiß, CO₂ ist immer noch ein Treibhausgas”, sagt sie, „aber es ist viel weniger schädlich als Methan. Und ich will zeigen: Wir können dieses Gas nutzen, anstatt es einfach entweichen zu lassen.“

Dabei helfen ihr sogenannte methanotrophe Bakterien – Mikroorganismen, die Methan als Energiequelle nutzen und es dabei in CO₂ und Biomasse umwandeln. Sie wachsen in einer kontrollierten Umgebung: dem Airlift-Bioreaktor.

 

Naturtalente im Einsatz

Buse arbeitet mit 3 Umweltproben: aus einem Kompostwerk, einer Deponie und einer Kläranlage. In diesen Umgebungen entstehen große Mengen Methan – und sie enthalten eine natürliche Vielfalt an methanotrophen Bakterien.

„Ich wollte keine gezüchteten Bakterien kaufen. Ich will herausfinden, welche Mikroorganismen aus der Natur das können.“ Dazu isoliert sie die methanotrophen Bakterien aus den Proben – ein aufwendiger Prozess, bei dem unerwünschte Mikroben aussortiert werden. Nur die Bakterien, die tatsächlich Methan verwerten, dürfen in den Reaktor.

 

Methan in CO₂ – und dann?

Im nächsten Schritt wird das Methan in den Reaktor geleitet. Buse misst regelmäßig, wie viel Methan hineingeht und wie viel CO₂ herauskommt. Wenn der Unterschied groß genug ist, weiß sie: Die Bakterien arbeiten.

Wenn die Methode funktioniert, könnten Unternehmen, die Methan als Nebenprodukt erzeugen – etwa in der Landwirtschaft oder der Abfallwirtschaft – dieses Gas gezielt in CO₂ umwandeln und so den Klimaschaden verringern. Langfristig könnte sogar die Umwandlung in Bioplastik möglich werden.

Ein neuer Anfang in Offenburg

Buses Masterstudiengang wird in Polen und in Deutschland angeboten. Sie hatte die Wahl, für ihren Master in Offenburg zu bleiben oder ihn in Polen zu machen. „Ich wollte irgendwo ankommen. Nicht wieder neu anfangen. Deshalb bin ich in Offenburg geblieben.“ Buse schätzt die Forschungsbedingungen, die Offenheit und die Zusammenarbeit im Labor.

Dabei war ihr Start alles andere als einfach. Wieder musste sie in einem neuen Land ankommen, eine neue Sprache lernen und die Anforderungen ihres Betreuers verstehen. „Das war nicht leicht, denn sein Anspruch war hoch“, erinnert sich Buse. „Ich habe mich gefragt: Kann ich das überhaupt? Bin ich gut genug, um so ein Projekt durchzuziehen?“

 

„Wenn ich es lernen kann, dann kann ich es schaffen“

Buse spricht offen darüber, dass sie sich diesen Weg erst zutrauen musste. Die Forschung war ihr nicht fremd, aber sie wusste: Ein Projekt wie dieses bedeutet viel Eigenverantwortung – und manchmal auch Einsamkeit im Labor. Doch irgendwann klickte es. Und ab dem Moment, so sagt sie, konnte sie anfangen, wirklich Verantwortung zu übernehmen und das Projekt selbstständig weiterzudenken.

Was ihr geholfen hat? Ihr Fahrrad. Nach einem langen Tag im Labor steigt sie einfach auf ihr Rad, setzt die Kopfhörer auf und fährt nach Hause. Die Bewegung und das Gefühl von Freiheit helfen ihr, den Kopf wieder klar zu kriegen.

Und wenn sie ihre Motivation verliert? „Dann sage ich mir: Öffne einfach deinen Laptop und lies ein bisschen Literatur. Dann fühle ich mich wieder ein Stück stärker. Ich merke dann: Ich weiß noch nicht alles, aber ich kann etwas lernen. Und wenn ich es lernen kann, dann kann ich es schaffen.“

 

Buses Zukunft als Ingenieurin

Nach ihrer Masterarbeit will sie bleiben, einen Job finden. „Hier in Deutschland fühle ich mich zum ersten Mal wirklich als Ingenieurin. Vielleicht gehe ich irgendwann zurück in die Türkei – mit viel Erfahrung und Selbstvertrauen und dem Gefühl, dass ich etwas bewegen kann.“

So wie Buse kannst auch du bei uns deine Leidenschaft zum Beruf machen und die Welt verändern. Erfahre mehr über unsere Studiengänge und finde den Weg, der zu dir passt.

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