Ninefold lotet Grenzen der menschlichen Wahrnehmung aus

Labor für Medienökologie (LME) der Hochschule Offenburg und Institut für Computermusik und Soundtechnologie (ICST) der Zürcher Hochschule der Künste entwickeln gemeinsam ein audiovisuelles, interaktives Kunstwerk.

17.07.2026 · Meldung · Redaktion: jd

In einem rot-goldenen Barocksaal stehen drei schwarze Bildschirme

Ephraim Wegner (LME), Philippe Kocher und Daniel Bisig (ICST) haben Kunst, Mathematik und Technologie verbunden, um mit Ninefold eine Brücke zwischen mathematischer Abstraktion und phänomenaler Realität zu schlagen. Ihre Simulation von Schwarmverhalten in einem neundimensionalen Raum kombiniert visuelle und akustische Elemente und lädt Menschen dazu ein, über abstrakte Konzepte und unerwartet auftretendes Verhalten nachzudenken.

Das menschliche Gehirn ist darauf trainiert in den drei Dimensionen Länge, Breite, Höhe zu denken.  Höhere Dimensionen, die durch mathematische Erweiterungen entstehen und zusätzliche „Richtungen“ oder Parameter beschreiben, entziehen sich der unmittelbaren menschlichen Wahrnehmung. Um das zu ändern, haben die drei Medienkünstler die kollektive Bewegung, das Schwarmverhalten von sogenannten Agenten (zum Beispiel virtuelle Vögel) in einem abstrakten mathematischen Raum, der durch neun Koordinatenachsen definiert wird, simuliert. Die Simulation wurde in C++ implementiert und verwendet ein eigens entwickeltes Add-on für OpenFrameworks, das auf der Bibliothek ISO-flock basiert. Das Verhalten der Schwärme wurde anschließend in Klänge übersetzt. Dabei steuerten die einzelnen Dimensionen u.a. die Klangparameter Tonhöhe, Lautstärke, Klangfarbe und Rhythmus.  Damit das Publikum dies leichter nachvollziehen kann, zeigt Ninefold auf drei Bildschirmen jeweils eine dreidimensionale Projektion von drei der neun Dimensionen während über Kopfhörer der generative Klang der Simulation zu hören ist. Mithilfe von drei Knöpfen können die Betrachterinnen die einzelnen Dimensionen auf jedem Bildschirm ein- und ausschalten. Dadurch wird erfahrbar, wie sich die einzelnen Dimensionen auf Visualisierung und Klang auswirken. Gleichzeitig können die Betrachterinnen aktiv in das Werk eingreifen und erhalten den Eindruck, Teil des Schwarms im neundimensionalen Raum zu sein.

Präsentieren konnten Wegner, Kocher und Bisig Ninefold unter anderem auf der „14th Conference on Computation, Communication, Aesthetics & X” Anfang July im italienischen Turin. Im dortigen Palazzo Madama, dem ehemaligen Wohnsitz der Herrscher von Savoyen und heutigen städtischen Museum für Antike Kunst, ergab sich durch die Umgebung eines prachtvollen Barocksaals und die moderne Technologie von Ninefold ein zusätzliches Spannungsfeld für das Publikum.