Offenburger Studierende schicken erneut Messgeräte in die Stratosphäre
Während des Flugs will das interdisziplinäre Team aus zehn Studierenden unterschiedlicher Studiengänge um Prof. Dr. Dragos Saracsan wie schon die Vorgängergruppen 2019 und 2020 verschiedene Messungen und Experimente vornehmen. Dazu wird an dem mit circa 5900 Liter Helium gefüllten Ballon aus Latex eine gepolsterte, maximal 2,3 Kilogramm schwere Kapsel mit einem Datenlogger befestigt. Dieser erfasst GPS-Daten, Außen- und Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe, Geschwindigkeit (speed over ground) und Druck. An der Kapsel angebrachte Kameras nehmen den Flug aus verschiedenen Winkeln auf. „Hauptpassagiere“ sind aber der „Bacillus spizizenii“ (DSM618 Bacillus spizizenii Untergruppe B subtilis Wildtyp), Hefe (Mikroorganismus) und Mungobohnensprossen (komplexerer, höherer Organismus).
In einem Experiment wollen die Studierenden mit Hilfe des gut erforschten Bakteriums „Bacillus spizizenii“, das sehr widerstandsfähige Sporen bilden kann, herausfinden, welche Faktoren das Überleben von Mikroorganismen unter extremen, marsähnlichen Bedingungen ermöglichen. Das ist wichtig für die Raumfahrt, weil überlebende Erdkeime andere Planeten wie den Mars kontaminieren und bei der Suche nach außerirdischem Leben zu falschen positiven Ergebnissen führen könnten. Getestet werden die Auswirkungen von UV-Strahlung, Kälte und Druck auf lebende aber sterbende Zellen im Vergleich zu überlebenden Sporen. Im Rahmen einer Bachelorarbeit steht die Frage im Zentrum, wie Hefe (Mikroorganismus) und Mungobohnensprossen (komplexerer, höherer Organismus) auf einen extremen Unterdruck reagieren. Da in der Stratosphäre Bedingungen erreicht werden, wie sie in zukünftigen Raumstationen oder Transportraketen herrschen könnten, könnte diese Forschung einen handfesten ingenieurstechnischen Vorteil bringen: Wenn Lebenserhaltungssysteme oder Frachträume im Weltall mit einem geringeren Innendruck – zum Beispiel 15 mbar statt dem üblichen Erddruck von circa 1000 mbar – betrieben werden könnten, sänke die mechanischen Belastungen auf deren Außenhülle drastisch. Dies wiederum könnte massive Material-, Gewichts- und Kosteneinsparungen ermöglichen. Um dies zu testen, fliegen die Proben in der Kapsel mit dem Ballon in die Stratosphäre. Nach der Landung werden die morphologischen (strukturellen und äußeren) Veränderungen der Hefe und der Sprossen analysiert und mit einer Kontrollgruppe verglichen, die unter normalem Umgebungsdruck auf der Erde verblieben ist.
Die Studierenden werden den Flug des Ballons über ein GPS Modul tracken und den auf einer Karte angezeigten Positionsdaten mit zwei Fahrzeugen folgen, um die Kapsel nach der Landung möglichst rasch bergen zu können. Im Vorfeld rechnen sie mit einer Flugzeit von circa drei Stunden und einer zurückgelegten Strecke von etwa 67 Kilometern.