Vierte Schraubenfachtagung beleuchtet ganzes Spektrum von der Konstruktion bis zur Montage
Zum Auftakt stand eine Betriebsbesichtigung bei der Herrenknecht AG, dem Technologieführer im maschinellen Tunnelvortrieb, auf dem Programm. Dabei erlebten die Gäste wie wichtig prozesssichere Schraubenverbindungen für die möglichst störungsfreie Arbeit der modernen Tunnelbohranlagen des Schwanauer Unternehmens sind. Nach einem badischen Abend begrüßte Prof. Dr. Thomas Eisele, der Prorektor für Forschung und Transfer, die rund 70 Teilnehmenden am zweiten Tag an der Hochschule Offenburg und hob die enge Verknüpfung von Lehre, Forschung und Industrie an der Hochschule für angewandte Wissenschaften hervor.
Die Bedeutung der (Hochschul-)Forschung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region und ganz Deutschlands betonte auch Prof. Alfred Isele, Leiter der Arbeitsgruppe Schraubenverbindungen der Hochschule Offenburg, in seinem Einführungsvortrag. In Zeiten allseits knapper Kassen sei es umso wichtiger, dass Hochschule und Industrie eng zusammenarbeiteten, erklärte Isele und lud die anwesenden Firmenvertreterinnen und -vertreter ein, sich bei Bedarf an die Hochschule zu wenden. Daraus könne dann etwas entstehen, was dem Sinn einer Schraubverbindung ähnele: „Nämlich zwei oder mehr Bauteile so zu verbinden, dass diese wirken wie ein Bauteil“. Auf dem Weg dahin gelte es allerdings unzählige Einflussgrößen wie Konstruktion, Fertigung, Reibung, Satzverlust, Bauteil oder Schraubensystem zu beherrschen. Die folgenden Vorträge aus Wirtschaft und Forschung präsentierten spannende Forschungsprojekte und Anwendungsmöglichkeiten sowie Problemlösungen aus den Bereichen „Vorspannung und Montage“, „Dichtheit, Reibung, Fehleranalyse“, „Sensorik und intelligente Systeme“ sowie „Werkstofftechnik und Korrosionsschutz“.
Zu Beginn referierte Sandro Vanetta von der Nord-Lock GmbH über den Unterschied zwischen drehenden und ziehenden Vorspannverfahren. Klaus Rappenacker von der Hochschule Offenburg erläuterte anschließend die Vorspannkraftverluste von organisch beschichteten Bauteilen unter Betriebsbedingungen. Adrian Volk von der Hochschule Offenburg informierte über den Einfluss von erhöhten Temperaturen auf die Haftreibungszahl in lackierten Trennfugen von Schraubenverbindungen und Moritz Stahl von der Arnold Umformtechnik GmbH & Co. KG über die Dichtheit bei Schraubenverbindungen. Nach einer Mittagspause mit der Möglichkeit zum persönlichen Austausch stellte Shiva Kumar Manoharan von der Kistler Instrumente GmbH das Montagverhalten von stromführenden Schraubenverbindungen vor. Danach präsentierten Florian Peinhardt von der Hochschule Offenburg und Fabian Deeg vom Institut für Produktentwicklung am KIT zwei Konzepte für sensorintegrierte Schrauben zur Bestimmung der Biegespannung im Schraubenschaft. Bei Holger Junkers von der Juko Technik GmbH ging es dann um mehr Sicherheit bei der Schraubmontage mittels Industrial Internet of Things (IIoT)-fähiger Montagesysteme und bei Niklas Weber von Berrang SE um Zink-Nickel ohne Tempern als Korrosionsschutz für Hochleistungsschrauben. Annika Lamm und Maik Naumann vom TÜV Süd stellten zum Abschluss noch Untersuchungen von fehlerhaften Schraubverbindungen an Trockenzylindern einer Papiermaschine und Prüfverfahren für Hochmomentschraubentechnik vor. Neben den verschiedenen Vorträgen blieb immer wieder Raum zur Diskussion und zum Austausch.
An Ständen im Foyer von Gebäude D und vor dem Gebäude aufgestellten Maschinen konnten sich die Teilnehmenden zudem über die neuesten Techniken und Angebote der bei der Schraubenfachtagung vertretenen Firmen informieren. Die Verantwortlichen danken in diesem Zusammenhang auch allen Sponsoren und Ausstellern der Veranstaltung.