„Robotik ist kein Zukunftsthema mehr – sie entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit“

Mittelstand und Robotik: Wie KMU den Wandel aktiv nutzen.

22.07.2026 · WLRI

Bild von Thomas Wendt un einer weiteren Person, die einen Robotergreifarm in ihrer Mitte betrachten
Experte für Robotik in Theorie und Praxis: Prof. Dr. Thomas Wendt, Hochschule Offenburg (rechts)

Robotik und Automatisierung werden häufig als Themen großer Konzerne wahrgenommen. Prof. Dr. Thomas Wendt vom Work-Life Robotics Institute der Hochschule Offenburg spricht darüber, warum diese Technologien gerade für mittelständische Unternehmen relevant sind und wie sie den Wandel aktiv gestalten können.

Herr Professor Wendt, wenn heute von Robotik die Rede ist, haben viele noch das Bild klassischer Industrieroboter im Kopf. Trifft das aus Ihrer Sicht noch zu?
Dieses Bild stammt aus einer früheren Phase der Robotik. Lange Zeit ging es tatsächlich um schwere, monotone oder gefährliche Tätigkeiten in abgeschotteten Industriehallen. Inzwischen hat sich der Einsatz von Robotern deutlich weiterentwickelt.

 

In welche Richtung wandelt sich die Robotik?
Roboter übernehmen heute Aufgaben, die sehr nah an menschlicher Arbeit sind, etwa in der Montage, beim Handling oder in der Logistik. Es geht um feinere, komplexere Tätigkeiten, bei denen Präzision und Flexibilität gefragt sind. Genau deshalb wird Robotik auch für mittelständische Unternehmen interessant.

 

Diese Entwicklung kommt nicht von allein. Was treibt sie an?
Ein entscheidender Faktor ist die technologische Leistungsfähigkeit. Künstliche Intelligenz und autonome Systeme gibt es als Konzepte schon lange. Erst heute können wir sie aber wirtschaftlich einsetzen, weil Rechenleistung und Datenverarbeitung entsprechend verfügbar sind. Das macht Roboter deutlich vielseitiger und anpassungsfähiger.

 

Viele verbinden Automatisierung trotzdem noch mit Arbeitsplatzabbau. Wie erleben Sie das in der Praxis?
Diese Sorge begegnet uns häufig, sie bestätigt sich aber nicht. Automatisierung ersetzt in der Regel keine Menschen, sondern übernimmt Aufgaben dort, wo Arbeitskraft fehlt oder wo Tätigkeiten körperlich belastend sind. Gleichzeitig entstehen neue, qualifizierte Aufgaben, etwa in der Planung, Überwachung und Weiterentwicklung automatisierter Prozesse. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist Robotik eher eine Antwort auf den Fachkräftemangel, nicht dessen Ursache.

 

In diesem Zusammenhang tauchen oft beide Begriffe auf: Automatisierung und Robotik. Wie hängen sie zusammen?
Automatisierung beschreibt das Gesamtsystem, also Prozesse, Steuerung und Abläufe. Robotik ist ein zentraler Bestandteil davon und übernimmt gezielt einzelne Aufgaben. Entscheidend ist nicht die Abgrenzung der Begriffe, sondern ihr Zusammenspiel. Erst im Verbund entsteht ein funktionierendes, robustes Produktionssystem.

 

Wenn man auf die Region blickt: Wie gehen mittelständische Unternehmen hier mit dem Thema um?
Das Bild ist sehr unterschiedlich. Einige Unternehmen haben früh begonnen, Automatisierung strategisch zu denken. Andere beschäftigen sich erst damit, wenn der Druck groß wird. Unsere Erfahrung zeigt aber klar, dass frühes Handeln Gestaltungsspielräume eröffnet.

 

Können Sie das an einem Beispiel aus Ihrer Projektpraxis verdeutlichen?
Wir haben mit einem mittelständischen Industrieunternehmen aus der Region gearbeitet, das bereits erste Automatisierungsschritte umgesetzt hatte. Gemeinsam wurde ein Montageprozess schrittweise weiterentwickelt. Entscheidend war dabei nicht nur die Technik, sondern vor allem die Alltagstauglichkeit. Solche Projekte zeigen, dass Automatisierung ein Lernprozess ist und nicht ein einmaliger Kraftakt.

 

Was bedeutet das für Unternehmen, die sich dem Thema jetzt nähern wollen?
Sie sollten nicht sofort die perfekte Lösung erwarten, sondern den Dialog beginnen, den Prozess anstoßen. Robotik muss technologisch und kulturell zum Unternehmen passen. Dafür braucht es Offenheit, Austausch und einen technologieoffenen Blick von außen.

Interesse an einem unverbindlichen Erstgespräch?

Das Team des Work-Life Robotics Institute der Hochschule Offenburg freut sich über den Austausch zu Robotik und Automatisierung im Mittelstand.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Wendt,
Hochschule Offenburg,
thomas.wendt@hs-offenburg.de

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