Unter welchen Voraussetzungen sind Menschen bereit, vom Auto auf den Öffentlichen Nahverkehr zu wechseln, um zur Arbeit zu kommen? Wie kann eine Steigerung der Fahrgastzahlen im ÖPNV erreicht werden?
Die Antworten auf diese Fragen versuchen Forschende des Verbundprojekts "move.mORe – Nachhaltige Mobilität in der Oberrheinregion" der Hochschulen Karlsruhe und Offenburg derzeit im Gewerbegebiet Rastatt Ost zu finden. Seit Anfang November 2025 und noch bis März 2026 läuft dort im Rahmen des Mobilitätspakts Mittelbaden ein Reallabor, um die Bedingungen der nachhaltigen Mobilität für Beschäftigte zu verbessern. Die Hochschule Karlsruhe evaluiert das Projekt, für das das Landratsamt Rastatt die Federführung übernommen hat. Gemeinsam setzen sie das Projekt mit der Verkehrsgesellschaft Rastatt mbH (VERA GmbH) um. Die Ergebnisse dürften für Politikerinnen, Planer, Verkehrsbetriebe, Arbeitgeberinnen und viele andere interessant sein.
Mehr als 20 Mitarbeitende von drei ganz unterschiedlichen Unternehmen aus dem Gewerbegebiet haben sich als Probandinnen und Probanden zur Verfügung gestellt. Sie machten im Vorfeld unter anderem Angaben zu ihren Wohnorten, Verkehrsmittelpräferenzen und den jeweiligen Nutzungshäufigkeiten. Während der Projektlaufzeit bis Ende Februar 2026 fertigen sie für festgelegte Stichtage Wegeprotokolle an. Für den viermonatigen Reallabor-Zeitraum erhielten sie jeweils ein Deutschlandticket Job, sofern sie es nicht schon hatten. Viele der teilnehmenden Personen erhielten außerdem einen individuellen Fahrplan für ihren Arbeitsweg.
Parallel dazu führte die Verkehrsgesellschaft Rastatt mbH (VERA) im Untersuchungsgebiet temporäre Maßnahmen ein: Sie errichtete eine neue Bushaltestelle, führte entsprechend der Arbeitszeiten der teilnehmenden Unternehmen zusätzliche Fahrten ein und verlängerte bestehende Routen.
Eine erste Zwischenbilanz zeigt: Die veränderten Buslinien und die neue Bushaltestelle werden nicht nur von den Proband*innen, sondern auch von anderen im Gewerbegebiet Arbeitenden genutzt. Aktuell wird geprüft, ob die erweiterten Nahverkehrsangebote auch nach dem Ende des Reallabors dauerhaft bestehen bleiben können und in welchem Umfang diese weiterhin an die Bedürfnisse und Schichtzeiten der Beschäftigten angepasst werden können.
Gleichzeitig zeigen die Wegeprotokolle und Zufriedenheitsbefragungen aber auch Herausforderungen auf, etwa schlecht abgestimme Taktzeiten an Umsteigepunkten, unpünktliche Züge und mangelnde Information für die Reisenden. Neben der Qualität des ÖPNV an sich werden auch Aspekte wie Beleuchtung und Zustand der Gehwege als wichtige Faktoren für die Mobilitätsentscheidung genannt.
Trotz der berichteten Mängel zeichnen sich jedoch bereits Veränderungen bei der Verkehrsmittelwahl ab: Gegenüber dem Projektbeginn ist die Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs deutlich gestiegen und die Autonutzung ist in manchen Wochen auf knapp die Hälfte gesunken.
"Wir werden die Entwicklung nun bis Ende Februar weiter beobachten und hoffen, dass sich der Trend fortsetzt. Schließlich wollen wir am Ende die Verhältnisse für die Beschäftigten im Gewerbegebiet verbessern und Strategien identifizieren, die sich auch auf andere Gewerbegebiete übertragen lassen", sagt Verena Wagner, Netzwerkmanagerin im move.mORe-Teilprojekt "Mobilitätsmanagement".