Die politischen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß-Minderungsziele für den Mobilitätsektor stellen den Schwerlastverkehr aktuell vor große Herausforderungen. Unter den für emissionsfreie Fernfahrten in Frage kommenden CO2-neutralen Energieträgern gilt der "grüne", mittels Elektrolyse aus erneuerbaren Energien gewonnene Wasserstoff (H2) als wichtiges Element. Der Hochlauf der Wasserstoffmobilität im Schwerlastverkehr hängt jedoch maßgeblich von einer effizienten Infrastruktur ab. Damit Logistikunternehmen verlässlich planen können, müssen Daten über H2-Verfügbarkeiten, Tankstellen-Standorte und Preise in Echtzeit fließen. Dies scheitert bisher aber oft noch an inkompatiblen IT-Systemen. Doch wie kommunizieren Transportmanagementsysteme (TMS) und Tankstellen-Software optimal miteinander? Genau das will das Verbundprojekt HyConnect, an dem auch die Hochschule Offenburg beteiligt ist, herausfinden und eine digitale Plattform, die Logistiker und Tankstellenbetreiber nahtlos vernetzt, entwickeln.
Die Forschungsgruppe Digital Supply Chain (DSC) der Hochschule Offenburg verantwortet dabei zwei zentrale technologische Säulen des Projekts und wendet modernste KI-Methoden an, um die technologischen Hürden zu überwinden. Zum einen wollen die DSC-Mitglieder die Anbindung der Vielzahl unterschiedlicher Datenaustauschschnittstellen von Logistik-TMS und Tankstellen-Software an die HyConnect-Plattform KI-basiert automatisieren. Dafür nutzen sie Large Language Models (LLMs), die automatisiert den benötigten Softwarecode generieren sollen. Dieser innovative Weg soll die manuelle, zeitaufwendige Programmierung zur Anbindung einzelner Schnittstellen überflüssig machen. Zum zweiten entwickeln die Forschenden einen KI-basierten Ansatz, der eine marktgerechte und dynamische Preisgestaltung ermöglicht. Dies schafft Transparenz und ökonomische Anreize für Spediteure und Tankstellenbetreibende.
"Derzeit evaluieren wir, welche TMS bei den Logistikunternehmen und welche Software bei den Tankstellenbetreibenden im Einsatz sind, und welche Daten diese nutzen, um genauer zu verstehen, welche Daten über die Plattform ausgetauscht werden müssen", erklärt DSC-Leiter Theo Lutz. Anschließend geht es an die Entwicklung der Plattform, die das Wasserstofftanken durch eine intelligente Reservierungsfunktion und dynamische Preismodelle so effizient und planbar wie möglich gestaltet. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Praxisnähe: Nach der Entwicklungsphase wird der Prototyp der Plattform im Live-Betrieb mit den beteiligten Partnern getestet. Die Ergebnisse von HyConnect sollen maßgeblich dazu beitragen, die digitale Infrastruktur für alternative Antriebe im Schwerlastverkehr zu professionalisieren und den Ausbau nachhaltiger Mobilitätslösungen zu beschleunigen.
Die Projektlaufzeit endet am 30. Juni 2028. Zum Projektkonsortium gehören neben der Forschungsgruppe Digital Supply Chain der Hochschule Offenburg der Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen, die H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG, die H2 Green Power & Logistics AG und die MANSIO GmbH. Assoziierte Partner sind die Post CH AG, die Hermes Germany GmbH, die ELVIS AG und der DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Gefördert wird das Vorhaben durch die Europäische Union sowie das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW. Obwohl das Projekt im Kontext des Strukturwandels in NRW steht, ist das Ziel eine bundesweit skalierbare Lösung für den gesamten Logistiksektor.