Am Institute for Unmanned Aerial Systems (IUAS) der Hochschule Offenburg gibt es nun einen vektoriellen Netzwerkanalysator. Dieser ist ein zentrales Messinstrument zur präzisen Vermessung und Charakterisierung elektronischer Komponenten wie Antennen, Verstärker oder Filter. Er bildet damit eine wichtige Grundlage für die Entwicklung moderner Hochfrequenzsysteme. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützte den Erwerb im Rahmen des Förderprogramms "Forschungsgroßgeräte an Hochschulen für angewandte Wissenschaften" des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit rund 350.000 Euro. Die Projektförderung erfolgte zu 40 Prozent aus Landesmitteln und zu 60 Prozent aus dem EFRE.
Der neue vektorielle Netzwerkanalysator wird im Labor für Hochfrequenztechnik und Elektromagnetische Verträglichkeit und am Institute for Unmanned Aerial Systems (IUAS), beide unter der Leitung von Prof. Dr. Marlene Harter, in Forschung und Lehre eingesetzt. Er ermöglicht Messungen und Analysen bis zu einem Frequenzbereich von 50 GHz und über Erweiterungen sogar Frequenzen von mehr als 90 GHz. Damit unterstützt die neue Messplattform ein deutlich breiteres Spektrum an Forschungs- und Entwicklungsprojekten als bisher.
Ein wichtiger Forschungsbereich liegt in der millimeterwellenbasierten Hautkrebsdetektion. Dort wird untersucht, wie hochfrequente elektromagnetische Wellen zur frühzeitigen Erkennung von Hautkrebs eingesetzt werden können. Mithilfe des Netzwerkanalysators lassen sich dafür die entwickelten Messsonden charakterisieren und die Wechselwirkungen zwischen den elektromagnetischen Wellen und dem biologischen Gewebe erforschen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung und Untersuchung von Komponenten für Automotive-Radarsysteme im Frequenzbereich von 76 bis 81 GHz. Radarsysteme sind eine wichtige Grundlage für moderne Fahrerassistenzfunktionen und autonomes Fahren. Für die Analyse der Komponenten und der Radarsysteme wird der Netzwerkanalysator mit der Frequenzerweiterung eingesetzt.
Darüber hinaus wird der Netzwerkanalysator auch für Forschungsarbeiten im Bereich eines Ultrabreitband-Radars beziehungsweise Ground-Penetrating-Radars (GPR) genutzt. Die Technologie kommt in verschiedenen Forschungsprojekten am IUAS zum Einsatz – etwa in der Archäologie zur zerstörungsfreien Untersuchung verborgener Strukturen im Boden oder im Baugewerbe zur Ortung von Leitungen und unterschiedlichen Bodenschichten. Für die Entwicklung der dafür benötigten breitbandigen Antennen sind die erweiterten Analysemöglichkeiten des neuen Netzwerkanalysators von großer Bedeutung.
Mit der neuen Messinfrastruktur stärkt die Hochschule Offenburg ihre Aktivitäten in der angewandten Hochfrequenz- und Radarforschung und schafft zugleich moderne Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre in einem technologisch hochrelevanten Zukunftsfeld.