Die Schaffung von Möglichkeitsräumen ist das bestimmende Thema

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Akademische Jahresfeier ist Auftakt zum Jubiläum 60 Jahre Hochschule Offenburg.

Rektor Stephan Trahasch steht am Rednerpult. An diesem und auf einer Leinwand hinter ist Akademische Jahresfeier zu lesen
© Hochschule Offenburg, Alexander Weigand

Rektor Prof. Dr. Stephan Trahasch begrüßte die Gäste.

Festredner Joe Chialo steht an Rednerpult vor den sitzenden Gästen im Hörsaal
© Hochschule Offenburg, Alexander Weigand

Festredner Joe Chialo sorgte trotz des wichtigen und ernsten Themas seines Vortrags auch für heitere Momente.

Die Feier mit rund 80 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigte sich aus aktuellem Anlass mit der Frage „Wie können Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur den Zusammenhalt der Gesellschaft stärken?“. „Zu den Kernwerten an der Hochschule Offenburg gehört neben Offenheit und Zukunftsmut auch Gemeinschaft“, erklärte Rektor Prof. Dr. Stephan Trahasch in seiner Begrüßungsrede. Daher bemühe sich die Hochschule aktiv um den Zusammenhalt in der Gesellschaft in dem sie zum Beispiel an Lösungen für aktuelle Probleme wie Klimawandel oder Digitalisierung forsche. „Wie wir Gräben schließen, Brücken bauen und die Gemeinschaft schützen können, wie Gemeinsamkeit für Menschen positiv erlebbar und für die Gesellschaft förderlich sein kann – darüber lohnt es sich nachzudenken“, so der Rektor weiter. Und er rief dazu auf, die gewohnten Denkweisen zu hinterfragen, zuzuhören, wenn anderen von ihrer vielleicht neuen Perspektive berichteten, Argumente auszutauschen und dazu zu lernen.

Die Wichtigkeit des Austauschs hob auch der Berliner Senator für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Joe Chialo (CDU), in seinem Festvortrag hervor. Er sprach sogar davon, dass eine „Entfeindungsliebe“ nötig sei. Dazu gab der in Bonn geborene Sohn einer tansanischen Diplomatenfamilie zunächst einen kurzen Überblick über seinen Lebensweg vom Abitur an einem Ordensinternat der Salesianer Don Boscos über eine handwerkliche Ausbildung zum CNC-Fräser, ein abgebrochenes Studiums der Geschichte, Politik und wirtschaftlichen Staatswissenschaften, einen Plattenvertrag, eine Anstellung beim weltweit größten Musikkonzern, die Gründung des international erfolgreichen Musik-Labels Airforce1 Music Group bis hin zum Gang in die Politik. Wichtig seien ihm dabei drei Dinge „Resilienz, Exzellenz und Partizipation“ und diesem Dreiklang folge er, so Chialo. Artikel 3, Absatz 3, des Grundgesetzes „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ stehe dabei auch nur auf den ersten Blick im Gegensatz zu Artikel 5, Absatz 3, „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“. Vielmehr gelte es Möglichkeitsräume zu schaffen. Möglichkeitsräume für Kunst und Kultur, für den Austausch und damit für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Und genau das tue Wissenschaft und damit die Hochschule auch: Möglichkeitsräume schaffen.

„Möglichkeitsräume sind wichtig, wenn wir in den Diskurs kommen wollen“, pflichtete Prof. Heiner Behring, der Gründer des trinationalen studentischen Filmfestivals der Hochschule Offenburg, dem Senator zu Beginn der anschließenden Talkrunde bei. Zudem gelte es wie in einem neuen Seminarangebot zur Medienethik „Kritisches Denken und Argumentieren“ zu entwickeln, um Diskurs zu ermöglichen. „Unsere Studierende üben sich ein in den Perspektivenwechsel, sie lernen auch eine produktive Skepsis gegenüber den schnellen Lösungen“, fügte Prof.in Dr. Renate Kirchhoff, die Rektorin der evangelischen Hochschule Freiburg, hinzu. Zusammenhalt lebe davon, dass Menschen bereit seien diverse Interessen zu berücksichtigen. Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer der wvib Schwarzwald AG, sprach sich gegen Standardisierungen und vielmehr dafür aus, Offenheit zu fördern. Probleme anders anzugehen, Denkräume zu öffnen, sei der richtige Ansatz, stimmte Joe Chialo allen drei zu.

Beim gemütlichen Ausklang der Akademischen Jahres hatten die Gäste bei Essen und Getränken noch ausreichend Gelegenheit in den Dialog miteinander zu treten und neue Möglichkeitsräume zu entwickeln. Und auch die Hochschule Offenburg wird dies in ihrem Jubiläumsjahr und darüber hinaus weiter machen.