Vom Flugzeugcockpit in den 3D-Drucker und zurück

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Hochschule Offenburg und Becker Avionics gelingt Durchbruch im industriellen Upcycling.

Collage aus drei Bildern, das erste zeigt die PMMA-Reste als grünes Pulver in einem Glas, das zweite eine Spule mit dem Recyclingfilament und das dritte einen Intercom-Baustein der Firma Becker Avionics in dem unter anderem die grünen Linsen aus dem Recyclingfilament hergestellt wurden
© Hochschule Offenburg (2), Becker Avionics (1)

Aus den PMMA-Resten werden zunächst Recyclingfilamente und aus diesen dann unter anderem die Linsen für den Intercom-Baustein der Firma Becker Avionics hergestellt (von links oben im Uhrzeigersinn).

Im durch den Ideenwettbewerb "BWGreenLabs" des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg geförderten Projekt "Bottle2Print" wollten Prof. Dr. Dominik Giel und sein Team an der Hochschule Offenburg ursprünglich "nur" die Machbarkeit des Recyclings von PET-Flaschen und Verpackungsabfällen zu 3D-Druck-Filament untersuchen. Dies sollte den Einsatz von neuem Filament im Laborbetrieb massiv reduzieren. Nun konnten die Forschungsaktivitäten erfolgreich auf den technisch anspruchsvollen Kunststoff Polymethylmethacrylat (PMMA) – umgangssprachlich auch als Acryl-/Plexiglas bezeichnet – ausgeweitet werden. Ein entscheidender Impuls kam dabei von der Firma Becker Avionics.

Beim Anbieter von Kommunikations- und Navigationssystemen für die Luftfahrt fallen bei der Produktion bestimmter Komponenten große Mengen PMMA-Reste an. Diesen "Abfall" stellte das Unternehmen als Forschungsmaterial zur Verfügung. Den Mitarbeitenden der Hochschule Offenburg gelang es, die PMMA-Reste im Labor von Verunreinigungen zu befreien und zu Polymer-Filament umzuformen. Aus diesem hochwertigen Recyclat konnten anschließend im 3D-Druck-Verfahren wiederum optische Bauteile wie Linsen für die Geräte von Becker Avionics gefertigt werden. Dieser Prozess schont die Umwelt doppelt: Er vermeidet aktiv Kunststoffabfall und ist durch die direkte Bauteilerzeugung deutlich effizienter, da er enorme Mengen an Material und Energie einspart.

Damit hat die Landesförderung "BWGreenLabs", die darauf abzielt, den Ressourcenverbrauch in Laboren der Hochschulen zu senken und diese klimafreundlicher zu machen, bereits auch einen hohen Impact auf lokale Unternehmen. Dieser Synergieeffekt und die erfolgreiche Verwertung industrieller Abfälle zu High-Tech-Komponenten zeigen die nachhaltige Forschungskultur in Baden-Württemberg.